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Dienstag, 8. Mai 2018

Kritische Betrachtung der Menschenrechte

Das erste schriftliche Dokument, das sich mit den Menschenrechten befasste, entstand schon sehr früh. 539 v. Chr. eroberte Kyros Babylon. Er befreite die Sklaven, erklärte, dass alle Menschen das Recht haben ihre eigene Religion zu wählen und stellte Rassengleichheit her. Diese und andere Erlasse wurden auf einem gebrannten Tonzylinder in akkadischer Sprache mit Keilschrift aufgezeichnet.
1215 entstand in England die Magna Carta und 1628 die Petition of Right. Diese Dokumente sollten den einzelnen Menschen vor der willkürlichen Macht der Herrschenden schützen.
1787 kam die Verfassung der USA, 1789 die Französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und 1791 die US Bill of Rights.
1948 wurde Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen verabschiedet. Diese 30 Artikel der Menschenrechte sind sicher ein bedeutender Schritt zu einer besseren und menschlicheren Welt.
        Aber sind die Menschenrechte, wie sie im oben erwähnten Dokument festgehalten sind, für alle Zeiten und universell gültig? Oder darf man sie auch kritisch betrachten?
Sind sie in Stein gemeisselt und so sakrosankt wie die Gesetzestafeln, die Moses auf dem Berg Sinai erhielt?
Ich glaube, die Menschenrechte können geändert und angepasst werden. Das gleiche gilt für das Völkerrecht und die Genfer Flüchtlingskonvention.
        Wir schütteln den Kopf, wenn wir hören, dass viele Bürger der USA glauben der Besitz und das Tragen von Waffen sei ein Menschenrecht.
Es gibt aber auch Rechte, die bei den 30 Artikeln fehlen. Es gibt kein Artikel, der die körperliche Unversehrtheit garantiert. Es gibt kein Artikel, aus dem man ableiten kann, dass die Beschneidung von Mädchen verboten ist. Wenn man die Beschneidung von Mädchen offiziell ächten würde, dann müsste man sich mit der Frage beschäftigen, ob die Beschneidung der Knaben toleriert werden kann und man müsste die körperliche Unversehrtheit als allgemein gültiges Menschenrecht erklären.
Die Verfasser der Menschenrechte kuschen vor den Religionen und Ideologien. Als Realist muss man aber wohl zur Einsicht kommen, dass die Vertreter der Religionen noch zu stark sind und dass sie bei einer Auseinandersetzung die Unterstützung von linken Ideologen bekommen würden.              
        Gibt es ein Recht auf Familienplanung?
In der Proklamation von Teheran wurde 1968 von der Internationalen Konferenz über Menschenrechte ein Passus aufgenommen, der besagt, dass jedem Paar das Grundrecht zugestanden werden solle, frei über die Anzahl der Kinder zu entscheiden.
Man würde annehmen, dass sich alle vernünftigen Menschen für dieses Menschenrecht einsetzen. Aber wieder einmal haben ideologisch geprägte Menschen (Katholiken und  Linksgrüne) Probleme mit diesem Menschenrecht, von dem bei dessen Durchsetzung alle Menschen auf dieser Welt nur profitieren könnten.
Jedes Jahr sterben etwa 8.8 Millionen Menschen, hauptsächlich Kinder, an Hunger, was einem Todesfall alle 3 Sekunden entspricht. Aber die Gutmenschen wollen sich Zeit lassen und setzen darauf, dass mit vermehrter Schulbildung die Kinderzahl sinken wird.
Der fehlende Zugang zu Familienplanung führt Schätzungen zufolge zu jährlich 63 Millionen ungewollten Schwangerschaften und zu 40 Millionen Schwangerschaftsabbrüchen, welche in Entwicklungsländern ein oft lebensbedrohendes Risiko für die betroffenen Frauen bedeuten können, da sie nicht medizinisch fachgerecht durchgeführt werden.

         Sind die Menschenrechte universell gültig? Dürfen wir Verstösse gegen die Menschenrechte in anderen Kulturen kritisieren? Erdrücken wir die Eigenart fremder Kulturen und handelt es sich um abendländischen Kulturimperialismus, fragt sich Otfried Höffe. Die koloniale Expansion Europas hat weite Teile der Welt politisch, wirtschaftlich und vor allem kulturell tief verletzt.
            Wir haben ein stark individualistisches Menschenbild. In anderen Kulturen ist das Kollektiv wichtiger als das Individuum. In solchen Gesellschaften steht die Gruppe als Gesamtheit im Vordergrund, und ist wichtiger als die Selbstverwirklichung der Gruppenmitglieder. In solchen Gesellschaften haben die Menschenrechte folgerichtig weniger Bedeutung und es ist schwieriger Demokratien einzuführen. Kollektivistisch ausgeprägte Gesellschaften sind meist Diktaturen und für Diktatoren sind die Menschenrechte ein Hindernis bei deren Machtausübung.
Viele Länder sind noch nicht reif für die Demokratie. Die Menschenrechte lassen sich aber nur in Demokratien durchsetzen. Wenn wir solchen Ländern die Menschenrechtsidee aufzwingen, destabilisieren wir diese Länder. Es ist blauäugig in Diktaturen alle Menschenrechte einfordern zu wollen.
Haben nicht auch alle Gesellschaften ein Recht auf Nichteinmischung? Hat sich die Einmischung des Westens im Irak, in Libyen und Syrien für die dort lebende Bevölkerung gelohnt?
Otfried Höffe findet, dass im interkulturellen Diskurs eine argumentativ begründbare ethische Universalie gefunden werden muss. 
           Die Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Werden alle Religionen durch die Menschenrechte geschützt? 
Ist Scientology eine Religion? Diese Frage wird nicht in allen Ländern gleich beantwortet. Wenn ja, ist Scientology eine schutz- und förderwürdige Religion? 
Ist der Islam eine schutz- und förderwürdige Religion? Sicher praktizieren die meisten Muslime eine Religion, die von den meisten Menschen respektiert wird. Aber im Koran gibt es mehr als hundert Stellen, die man so auslegen kann, dass sie unter gewissen Umständen zu Gewalt gegen Juden, Christen oder Andersgläubigen auffordern. Die Islamisten berufen sich auf diese Stellen. 
Ist der Inhalt des Korans mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen vereinbar. Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nimmt obige, kursiv gedruckte Formulierung als Voraussetzung für Handlungen von Asylbewerbern.
Artikel 18 und 19 garantieren das Recht auf freie Meinungsäusserung ohne zu erklären, ob dabei gewisse Grundsätze eingehalten werden müssen. Dürfen sich auch links- und rechtsextreme Gruppierungen, die Ideologien verbreiten, die den Frieden gefährden oder zu Gewalt aufrufen, auf Artikel 18 und 19 berufen?                                                                                                                   .

















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